Zur Geschichte der Fränkischen Kirchweih

Kirchweih

KALCHREUTH - In vielen Städten und Dörfern wird im Sommer eine Kirchweih gefeiert. Warum aber wird gefeiert und was weiß man über die alten traditionellen fränkischen Kärwa-Bräuche? Am Beispiel Kalchreuth suchen wir eine Antwort.

 

Die Kirchenweihe

Meist geht dieses Fest auf die Weihe der örtlichen Kirche zurück, so auch im Kirschendorf Kalchreuth. In einer alten Chronik wird berichtet: Im Jahre 1471 am Freitag vor St. Veit (15. Juni) hub man an den Grund zu graben und vollführet den Bau mit Stein und mit Zimmern, dass die Kirche ganz stundt, mit Ziegeln überschossen, am St. Lorenzentag (10. August) nächstselben Jahres 1472. Seither wird am zweiten Augustsonntag alljährlich die Kirchweih gefeiert.

 

Der Kirchweihschutz und der Kärwabaum

Die Hoheitsrechte über das Dorf hatte die Freie Reichsstadt Nürnberg, für alle gerichtlichen Fälle aber war bis 1580 die Patrizierfamilie von Geuder in Heroldsberg zuständig und erstmals erfahren wir dass dazu auch der Kirchweihschutz gehörte. Dieser  war in früheren Zeiten oft umstritten.

Am Sonntagmorgen erschien der Büttel der Dorfherrschaft mit einigen Begleitern und rief die Eröffnung der Kirchweih aus. Dabei betonte er dass er Kraft seines Amtes für die öffentliche Ordnung verantwortlich sei und demgemäß auch bei Übertretungen der Rechtsordnung verfahren (strafen)werde. Der Büttel und seine Begleiter mussten von den Gastwirten voll verköstigt und von der Gemeinde entlohnt werden.

Es gibt zahlreiche Berichte aus Dörfern, dass die Kirchweih auch in früheren Jahren nicht immer friedlich verlief.

Dabei soll der Kärwabaum genauso wie der Birkenschmuck an den Wirtshäusern Frieden und einen friedvollen Ablauf des Festes symbolisieren. In den fränkischen Dörfern wird der Kärwabaum, meist eine große Fichte, am Samstagfrüh im Wald gefällt und am Nachmittag von den Kärwaboum auf einem Wagen, der in Kalchreuth von prächtigen Pferden gezogen wird, mit Musik durch das Dorf zum Wirtshaus gefahren, mit der Fahne und zwei Kränzen geschmückt und mit Muskelkraft und unter Zuhilfenahme von drei sogenannten Schwalben (lange Stangenpaare)dort aufgestellt. Der eigene Baum sollte immer höher sein als in den Nachbardörfern.

Das Fässla ausgrob´n

Ein weiterer alter Brauch ist am Sonntagmittag das „Fässla ausgrob´n“. Es ist eine Art Wettbewerb und wird nur noch in wenigen Dörfern durchgeführt.

In Kalchreuth gibt es für die Durchführung der Kärwa zwei Burschenvereine: Den Verein Zufriedenheit der bereits 1894 gegründet wurde und in der Gaststätte Meisel am Dorfplatz beheimatet ist sowie den Verein „Einigkeit“, der 1948 im Gasthaus „Zum Roten Ochsen“ gegründet wurde. Es werden bereits viele Wochen vor der Kärwa in einem ausgewiesenem Gebiet im Nahbereich der anderen Gaststätte heimlich mehrere  leere 15-Liter Bierfässer und kurz vor dem Kärwa noch ein volles Bierfass vergraben. Jeder Verein sucht nun mit „Stucherer“ (Eisenstangen)nach den Bierfässern der Anderen. Die eigenen Fässer werden, wenn sie nicht gefunden werden, am Sonntagmittag dann wieder ausgegraben. Gewonnen hat die Kärwa wer das volle Bierfass des anderen Vereins gefunden oder die höhere Zahl der leeren Fässer hat. Heuer hat jeder Verein sein eigenes volles Bierfass selber wieder ausgegraben, die „Metzger“ hatten aber drei leere Fässer und die „Masslasboum“ nur zwei sodass die „Metzger“ die Kärwa gewonnen haben. Die vollen Bierfässer werden gleich an Ort und Stelle angestochen und ausgetrunken, dazu spielt die Musik und viele Zuschauer sind auch da. Die leeren Fässer wurden früher stolz zum Fenster der jeweiligen Gaststätte hinausgehängt.

Das Küchla zusammspieln

Noch heute werden zur Kärwa in vielen Häusern Küchla gebacken. In Kalchreuth sind diese viereckig, in anderen Dörfern rund. Im Volksmund sagt man die viereckigen das sind die evangelischen, die runden sind die katholischen Küchla.

Am Montagvormittag wurde in der Nachkriegszeit von den Kärwaboum mit einem geschmückten Heuwagen, auf dem die Kinder mitfahren durften und mit der Musik in einem Korb im Dorf Küchla eingesammelt und dann unter den Musikern verteilt.

Heute findet am Montagmorgen der große Frühschoppen mit Weißwurstessen statt.

Das Betz´n austanzen

Tradition hat auch das „Betz´n austanzen“.

Ein gewaschenes und geschmücktes junges Schaf (Betz) wird an den Kärwabaum angebunden und die feschen Kärwaboum mit ihren Kärwamadla (Partnerinnen)laufen im Kreis herum, in manchen Orten wird auch getanzt. Dazu spielt die Musik und es werden Kärwalieder gesungen, die manchmal nicht so für Kinder geeignet sind oder öfter auch junge Mädchen leicht erröten lassen. Dabei wird eine mit einem Krug und einem Schlips geschmückte Birkenrute im Kreis herumgereicht und derjenige, der nach etwa 15 bis 20 Minuten, wenn ein Wecker klingelt, die Rute trägt, hat den Betz´n gewonnen.

Warum Betz´n austanzen? In Franken hat dies eine lange Tradition, woher diese aber kommt ist nicht bekannt. Einige Heimatforscher meinen dass dies damit zusammenhängt dass ganz früher nur die jeweilige Herrschaft im Ort Schafe gehalten hat und sogar einen Schafhirten beschäftigte. Zur Kirchweih wurde dann einmal im Jahr ein Schaf gespendet das beim „Betz´n austanzen“ zu gewinnen war. Das Schaf wurde vier Wochen nach der Kärwa geschlachtet und es gab für die Kärwaboum und ihre Madla ein „Betzenessen“. Der Gewinner musste die Getränke dazu bezahlen.

Der Tanzboden

Zur Kärwa wurde schon immer an drei Tagen getanzt, ganz früher als es noch keine Säle gab auf dem Boden einer großen Scheune. Im 19. Jahrhundert kamen dann die Tanzsäle auf, fast jede Wirtschaft hatte einen Saal für Festlichkeiten. In der Nachkriegszeit und bis in die  80er Jahre fand in Kalchreuth gleich in drei Sälen Musik und Tanz statt und es kamen immer viele Gäste aus der Umgebung dazu. Noch heute erfährt man bei Jubiläen dass der Mann/die Frau  sich bei einer Kärwa kennengelernt haben. In den 1930er Jahren gab es in Kalchreuth eine eigene Musik-Kapelle. Nach dem Kriege spielten an der Kärwa jahrelang die Blaskapellen Jakl Strobel, Toni Goller und bis heute die Weisendorfer Kapelle Schmerler.

 

Die weiteren Kärwabräuche wie der Bieranstich, der Festgottesdienst, der Frühschoppen, Karussell, Schießbude und Stände für die Kinder sowie eine Losbude und der musikalische Abschluss der „Kärwa“ am Montag um 24 Uhr sollen nicht unerwähnt bleiben.

ERNST BAYERLEIN

 

 

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