Zehntscheune

Zehntscheune

Die Zehntscheune in Kalchreuth

Zu den ortsprägenden Gebäuden in Kalchreuth zählt neben der Kirche und dem Hallerschloss die alte Zehntscheune am Schlossplatz.

Dem hübsch renovierten Gebäude am Schlossplatz sieht man seine wechselvolle Geschichte nicht an.

Nach einer neueren Holzprobenuntersuchung steht fest, dass das Holz für den Bau der Scheune im Winter 1571/72 geschlagen wurde. Man kann weiter davon ausgehen, dass etwa ein halbes Jahr nach dem Einschlag die Stämme auch verbaut wurden. Dies ist das Ergebnis einer Dendrochronologischen Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim, einem Fachinstitut und der Universität Bamberg. Bisher dachte man, dass die Scheune, entsprechend der Jahreszahl auf einen Balken, im Jahr 1678 erbaut wurde.

Einst wurden dort die Naturalabgaben, der so genannte „Zehent“ von 33 Bauernanwesen gelagert, die bis 1848 Untertanen der Herrschaftsfamilie Haller waren.

Baugeschichtlich gehört die Zehntscheune zum ältesten bekannten Fachwerkbau in Kalchreuth und als einer der ältesten Scheunen überhaupt in der Region um Nürnberg.

Es ist ein stattlicher Fachwerkbau mit einem Krüppelwalmdach, eingedeckt mit roten Biberschwanz-Dachziegeln.

Etwas Besonderes ist hoch oben im Dach ein dreieckiges Wind-oder Eulenloch. Noch im 16. Jahrhundert war es meist offen und diente bei Scheunen zur Entlüftung.

Im Inneren beeindruckt das solide Balkengefüge, das Zeugnis von alter Zimmermannsarbeit ablegt. Uralte Balken tragen das Gebäude, kräftige Holznägel halten es zusammen, Knaggen und Streben sorgen für die Verteilung der Last des Daches. Sie sind gefällig geschwungen und weisen sogar bescheidenes Schnitzwerk aus.“Nicht die Maschine hat hier das Baumaterial geschaffen, sondern die Axt des Zimmermannes“ – beschrieb vor 30 Jahren der damalige Kreisheimatpfleger die Hauskonstruktion.

Die Scheune erinnert daran, dass jahrhundertlang insbesondere die Getreideabgaben der Bauern an das Patriziergeschlecht Haller gelagert wurden. Aber das war nicht alles, der Gutsherr hatte Anspruch auf den so genannten „Blutzehent“ von jedem Pferd,

jeder Kuh und jedem Schwein. Daneben gab es den „Obstzehent“ von jeder Art von Obst, den „Gartenzehent“ von allen Gartengewächsen, den „Groß- oder Feldzehent“ für Getreide, der ursprünglich dem Burggrafen in Nürnberg, später aber den Hallern zustand und teilweise von diesen an die Klosterstiftung Neunkirchen verkauft wurde.

Doch damit nicht genug, es existierte noch der „Kleinzehent“ für Rüben, Kraut und Kartoffeln, ein „Heuzehent“ und ein „Hopfenzehent“.

Als weitere Leistungen an die Gutsherren kamen die Frondienste wie Holzfahren, Holzhauen und die Beförderung von herrschaftlichen Waren dazu.

Außerdem waren Abgaben für Gemeindezwecke und zum Lebensunterhalt des Pfarrers, des Messners und des Gemeindehirten fällig.

Und oft gab es auch Kriege und Verwüstungen oder Krankheiten, das kleinere Übel waren da noch die Schäden durch die Tiere des Waldes, da insbesondere der Markgraf in seinem Gebiet gerne zur Jagd ging und einen hohen Wildbestand erwartete.

So war es kein Wunder dass sich die Kalchreuther Untertanen bei dieser Abgabenlast sehr schwer taten

und sich mancher Tricks bedienten um diese zu drücken.

Im Jahre 1848 ging in Kalchreuth die Feudalherrschaft zu Ende und die Bauern konnten ihren Hof übernehmen und „frei“ bewirtschaften. Die Scheune wurde von den Hallern spätestens 1850, ebenso wie das Schloss verkauft. Sie wurde dann geteilt, bekannt waren später die Familien Wölfel, später Wick und Müller als Besitzer.

Anmerkungen:

Als Quelle wurden die Ortschronik 1998 sowie die alte Dorfchronik von Wilhelm Held und eigene Berichte verwendet.

 

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