Kalchreuther Gebäude in mühevoller Kleinarbeit restauriert

Langjähriger Hausputz

Handwerker und Besitzer leisten Maßarbeit - Nun Schmuckstück

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Die jahrelange Restaurierungsarbeit hat sich gelohnt: ein altes Sandsteinhaus in Kalchreuth zieht die Blicke auf sich. Foto: Hofmann

 

KALCHREUTH (ba) - Selbst in einer Landgemeinde wie in Kalchreuth sind typisch fränkische Bauernhäuser nur noch dünn gesät. In der Hallerstraße im Kirschendorf steht noch ein solches 150 Jahre altes Haus, das liebevoll restauriert wurde.

 

Als Baujahr steht 1846 an der Giebelseite eingemeißelt. Erstmals wird das Anwesen bereits 1598 genannt, Besitzer war ein Sebald Hofmann.

„Ein Güthlein mit 8,65 Tagwerk Grund, der Familie Wallenrod und der Kirche untertan“, so wird das Anwesen in der alten Ortschronik beschrieben. Um 1784 wird ein Georg Stahl als Besitzer genannt. Über Nachfahren ging der Hof an die heutigen Eigentümer Gerhard und Claudia Kißkalt, geb. Böhm.

 

Viele gingen ein und aus

Als Bauernhaus hat das Gebäude schon länger nicht mehr gedient. Nach dem Kriege wohnte der Viehhändler Nittel dort, dann wechselten die Mieter. Zeitweilig beherbergte das Gebäude eine Goldschmiedin, dann folgte eine Tontöpferin.

Vor neun Jahren reifte der Plan der Eigentümer, das Haus richtig herzurichten. Da begannen schon die Probleme. „Das Haus nutzen, wie es ist“, lautete die Stellungnahme des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Die Steinplatten in der Küche sollten bleiben, ebenso die alten Türen, der Bretterboden und der Viehstall im hinteren Hausteil. Den beiden jungen Leuten verging ganz schnell die Lust. Erst 1987 wurde ein neuer Anlauf unter der Mithilfe vom damaligen Bürgermeister Hans „Michel“ Sulzer unternommen. Mit dem zuständigen Kreisbauamt wurde Einvernehmen erzielt, die Bauarbeiten konnten beginnen.

 

Maßarbeit war erforderlich

In Handarbeit wurde erst ein Teil des Hauses unterkellert, die Böden und Decken erneuert und eine Heizung eingebaut. „Den Mut darf man nicht verlieren, immer wieder zeigten sich neue Probleme, mit denen nicht zu rechnen war“, erinnert sich Gerhard Kißkalt.

Von vielen Kalchreuthern seien sie angesprochen worden. „Ihr seid blöd, reißt doch das alte Ding weg“, habe ein Ratschlag gelautet, erzählt seine Frau und meint: „Bei einem neuen Haus hätten wir die Kosten abschätzen können, hier war es nicht möglich. Die Türen, Fenster - alles wurde von einem Schreiner einzeln angefertigt.“ Um die Kosten im Rahmen zu halten, wurde sehr viel an Eigenleistung erbracht, öffentliche Zuschüsse wurden keine gewährt.

Auch außen wurde das Haus hergerichtet und der Sandstein abgeschliffen, bereits 1982 war das Dach erneuert worden. Heute präsentiert sich das Gebäude innen und außen als Kleinod. „Vom Wohnen her ist unser Haus viel gemütlicher als ein neues", bekennen stolz die Besitzer.

 

Ernst Bayerlein

Quelle: Erlanger Nachrichten, 31.01.1992